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Die Sumpfmonster
Seit Jahren schon lebt er auf diesem Mond, der um diesen gigantischen Gasriesen kreist. Er weiß, dass hier intelligente Wesen wohnen, sie haben ihm immerhin diese drei Sumpfmonster zugesellt. Wozu allerdings bleibt ein Rätsel, denn jeder Kontaktversuch zu ihnen scheitert ...



Leseprobe
Diese Sumpfmonster konnten einen wirklich wahnsinnig machen. Wenn man wenigstens mit ihnen hätte reden können. Ich näherte mich der glitschigen, fast menschlichen Gestalt, die am Ufer des Sumpfes hockte und auf dessen bewegungslose Oberfläche starrte. Hin und wieder ragte ein knorriges Gewächs, ein Schilfbüschel oder eine Gruppe Stangenbäume aus dem trüben, stillstehenden Gewässer, das sich bis zum Horizont ausdehnte und sich dort in einem nebelhaften Dschungel verlor. Die Insekten tanzten im Schein des Gasriesen, der zu zwei Drittel über dem Horizont emporragte und sein bläuliches Licht über das Gewässer spiegeln ließ.
Ich hatte die Kreatur erreicht und beugte mich von hinten über ihre Schulter.
"Hey", flüsterte ich an die Stelle, an der man normalerweise ein Ohr vermutet hätte. "Weißt du eigentlich, was der Unterschied zwischen dir und den Insekten ist?"
Glubschauge drehte sich um und sah mich mit seinem einzigen Auge an, wie ein Dackel sein Herrchen. Eine dicke Kullerträne floss an seinem hässlichen Gesicht herab.
"Diese kleinen Flugtierchen haben ein größeres Gehirn als du."
Ich nannte ihn Glubschauge, weil er nur ein Auge besaß. Dort, wo das andere hätte sein sollen, befand sich nur eine leere Höhle. "Das war ein Witz, verdammt noch mal!", schrie ich ihn an. "Etwas Lustiges! Warum kapierst du das nicht?"
Er starrte mich an und weinte, ohne einen Ton von sich zu geben.
Er reagierte eigentlich nicht anders als erwartet, so wie er immer reagierte, wenn ich den Mund aufmachte. Trotzdem war für mich das Ende der Fahnenstange erreicht und ich knallte ihm eine. Er plumpste der Länge nach in den Matsch und rührte sich nicht mehr.


Ich lief weg. Ich wusste, wenn ich noch eine Sekunde länger geblieben wäre, hätte ich ihn umgebracht. Der Gasriese sorgte für genügend Helligkeit, um selbst in den langen Nächten alle naturgegebenen Hindernisse erkennen zu können. Ich rannte bis zu den Krakenpalmen und schlug mit den Fäusten auf einen der Hauptstämme ein. Dabei hatte ich mir vorgenommen, es nicht mehr zu versuchen. Es machte einfach keinen Sinn, mit ihnen reden zu wollen, es endete jedes Mal in einem Desaster. Erschöpft lehnte ich mich an den Stamm und ließ mich zu Boden sinken.
"'Tschuldigung", sagte ich zu der Krakenpalme. Es war vermutlich nur eine Pflanze, aber möglicherweise auch ein Tier oder vielleicht sogar etwas Intelligentes. Zumindest wanderte sie. Ich habe zwar nie gesehen, wie sie das macht, aber sie stand jeden Tag an einer anderen Stelle. Vermutlich war sie sogar intelligenter als alle drei Sumpfmonster zusammen. Sie redete zwar auch nicht mit mir, bewegte sich aber kontinuierlich von meinem Lager weg, was man immerhin als Absichtserklärung deuten konnte. Was die Sumpfmonster hingegen wollten, wozu sie überhaupt gekommen waren, blieb mir ein Rätsel.
Noch in derselben Nacht beschloss ich, sie zu verlassen. Ich kramte einige überlebenswichtige Dinge zusammen, stopfte sie in einen Beutel und verließ mein Lager, das mir so lange Zeit als Unterschlupf gedient hatte. Der Gasriese, der immer noch an gleicher Stelle festsaß, warf einen langen Schatten vor meine Füße, dem ich folgte.


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